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Rosa Elefanten - Folge 9

  • juliaheyne5
  • Jul 9
  • 3 min read
Sieht harmloser aus, als er ist ...
Sieht harmloser aus, als er ist ...

Hinweis: Ich bin keine ADHS-Expertin, alles, was ich darüber schreibe, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.


Nachdem ich in der letzten Folge ja die wunderbare Erkenntnis mit euch geteilt habe, dass sich meine bereits lang anhaltende psychische Talfahrt nicht beenden lassen wird, wenn ich mich weiter ausschließlich mit diesem Thema befasse - es "psychologisiere", wie es so schön heißt - geht es heute um meine Gedanken zur Verbesserung der Lage. Zuvor noch ein ehrliches Bekenntnis: Ich werde nicht von jetzt auf gleich damit aufhören zu können, Texte über Depression, ADHS und Achtsamkeit zu konsumieren und auch meine Nahrungsergänzungsmittel werde ich jetzt nicht einfach in den Mülleimer kippen. Es geht jetzt wahrscheinlich darum, neue Strategien zu entwickeln, die diesen "Psyche-Fokus" ersetzen und mich ins "echte Leben" zurückholen können.


Nach reiflicher Überlegung wurde mir eines klar: Der Kern meines aktuellen Übels ist das ständige Denken. Das Gedankenkreiseln, das Overthinking, das Katastrophisieren (davon habe ich in Folge 7 ausführlich berichtet). Irgendwie lustig, dass man beim Denken darauf kommt, dass man zu viel denkt, aber das nur am Rande ... Jedenfalls lief es bei mir die letzten Monate ungefähr so ab: Ich fühle mich schlecht, meist richtig deprimiert und fange an, alles zu lesen, was es an Ratgebern zu meinem aktuellen Gefühlszustand so gibt. Ich lese und lese - und dann denke ich darüber nach. Und das nicht nur den ganzen Tag, nein auch die halbe Nacht. Ich analysiere jedes Symptom, das auf mein ADHS hindeuten kann, ich erkenne mich in Depressions-Beschreibungen wieder und kaue das gefühlt ständig durch. Damit richte ich meinen Fokus ausschließlich auf meine negativen Gefühle - und damit bin ich so beschäftigt, dass ich gar nicht dazu komme, mal einen der vielen Tipps, die einen aus so einem Tief rausholen können, umsetze. Nein, dazu habe ich keine Zeit, ich bin schließlich mit Analysieren beschäftigt! Das geht letztendlich soweit, dass ich mir morgens bereits einrede, dass der Tag genauso "schwer" werden wird wie die letzten 300 und dass ich sowieso wieder müde, energielos, traurig oder gereizt sein werde. Bereits vormittags bin ich davon überzeugt, dass der Nachmittag mit dem Zwerg so anstrengend und gleichzeitig langweilig werden wird (Eltern eines 2-Jährigen wissen, was ich meine), dass die Langeweile und Erschöpfung schon in diesem Moment eintritt. Bevor mein Freund Feierabend hat, spiele ich schon hundertmal die Szenen durch, mit denen er mich wieder nerven - und schließlich in einen deprimierten Zustand versetzen wird. Er wird wieder die ganze Zeit aufs Handy starren, keine gute Laune verbreiten und mir langweilige Sachen erklären. Dadurch werde ich dann so erschöpft sein, dass ich mich wie fast jeden Abend um 20:00 in mein kleines Reich unterm Dach verziehen werde, um mich frustriert aufs Bett zu liegen - in dem Wissen, dass die Nacht eh Scheiße wird, weil ich jede Stunde aufwache.


Und nun die - zumindest für mich - interessante Erkenntnis: Es tritt aktuell jede der einzelnen beschriebenen Situationen genau so auf. Ich bin dauermüde/gelangweilt/gereizt. Ich langweile mich an den Nachmittagen, reagiere genervt auf meinen Freund und gehe traurig ins Bett, wo ich eine weitere schlaflose Nacht verbringe. Weil ich das Ganze schon so fest in meinem Gehirn einprogrammiert habe, dass es gar nicht anders laufen kann. Was kann ich also tun, damit mein Leben nicht weiter dem (in meinen Augen schrecklichen) Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" gleicht? Genau, ich muss aufhören, 24/7 es genau so "hinzudenken"! Das ist natürlich leichter gesagt, als getan, aber ich denke, der erste Schritt kann nur der sein, mit dem ständigen Denken aufzuhören. Raus aus dem Schwarzmalen der Zukunft und endlich zurück in jeden einzelnen Moment. Für mich hört sich diese erste Aufgabe in etwa so schwer an, wie ein Mathe-Abi zu schreiben, aber ich muss es versuchen. In kleinen Schritten. Jeden Tag aufs Neue. Und damit fange ich JETZT an. In diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe. Ganz einfach, weil ich keine Lust mehr auf die Achterbahn habe, sondern viel lieber meine Runden in einem Kettenkarussell drehen möchte. Mit Kribbeln im Bauch und ganz viel Leichtigkeit im Gepäck.


Ob und wie ich das hinbekomme? Bleiben wir gespannt ...




 
 
 

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