Rosa Elefanten - Folge 6
- juliaheyne5
- Mar 1
- 3 min read

Hinweis: Ich bin keine ADHS-Expertin, alles, was ich darüber schreibe, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.
Ich gestehe: Ich habe ein Problem mit dem "Theorie-und-Praxis-Konzept". Soll heißen: Ich glänze in Theorie und versage in der praktischen Umsetzung. Das war schon immer so. Ein gutes Beispiel ist meine Führerscheinprüfung. In der Theorie hatte ich strebermäßig null Fehler, in der Praxis bin ich eben mal kurz auf die Gegenspur gefahren, hatte keinen Peil, wie das Fernlicht angeht und habe superschlecht eingeparkt. Dass ich den Führerschein trotzdem beim ersten Mal bestanden habe, ist nur dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass ich damals im Büro der Fahrschule gejobbt habe und der Prüfer meinte, da sei ich ja noch unter Aufsicht... Aber hey, man muss auch mal Glück haben! Auch in der Schule lag mir alles Theoretische, das ich stur auswendig lernen konnte, während alles Praktische eher mittelgut bis ungenügend war.
Alles lange her, aber auch heute noch ist die Theorie mein Steckenpferd. So weiß ich theoretisch sehr viel über Themen wie Persönliche Weiterentwicklung, ADHS bei Frauen und den Umgang mit depressiven Phasen. Ernsthaft, ich klinge manchmal wie eine klugscheißende Diplom-Psychologin, wenn ich darüber rede. Abgesehen davon ist es ja ein großer Vorteil, genau zu wissen, was einem helfen könnte, wenn man in einer schlechten Phase steckt. ABER - und das ist die Krux : Wissen ist nicht gleich machen. So kennen wohl die meisten Abnehmwilligen alle Tipps, die helfen würden, damit die Kilos purzeln. Doch während sie das genau wissen, wird die Schokobons-Tüte leergefuttert. Oder wie viele Schritte abends auf der blöden Uhr stehen sollte, um endlich fit zu werden. Das weiß man gerne mal, während man auf der Couch Netflix schaut. Ich weiß auch ganz genau, was ich machen sollte, um meine Psyche zu stärken und endlich wieder happy durchs Leben zu gehen. Mache ich es? Nö. Und das ist nicht nur ärgerlich, sondern ganz schön doof.
Mein Pseudo-Psychologen-Inneres weiß, dass es beispielsweise total kontraproduktiv ist, Langeweile und Dopamin-Mangel durch ewig langes Doom-Scrolling ausgleichen zu wollen. Gerade in psychisch eher schlechten Phasen bringt das nämlich gar nix - außer noch schlechtere Laune, noch mehr Leere und nochmehr Erschöpfung. Trotzdem erwische ich mich vor allem an grauen Tagen dabei, wie ich mir ständig das blöde Smartphone schnappe und den Insta-Button drücke. Wie eine Süchtige. Das ist bei mir insofern doppelt doof, weil ich es eigentlich total unsexy finde, wenn Menschen gefühlt den ganzen Tag auf dieses olle Ding starren. Und ich meinem Freund deswegen auch sehr oft anmotze. Also, ich WEIß, dass es mir nicht gut tut und mache es trotzdem. Genauso wie mir durchaus bewusst ist, dass ich gerade in blöden Phasen mich nicht einigeln, sondern aktiv werden soll. Sport und Dopamin - hallo, dieser Zusammenhang dürfte mittlerweile ja den meisten bekannt sein! Schlüpfe ich deswegen in meine Leggins und schnappe mir meine Walking-Stöcke? Sehr selten. Das ließe sich jetzt - theoretisch, haha - ewig weiterführen. Aber ich versuche es mal mit einem kurzen Zusammenschnitt aus der Praxis.
So hatte ich letzte Woche mal wieder einen Einbruch meiner kurzen Hochphase, die ganze Woche war milde ausgedrückt beschissen. Ich hatte mir viele Sachen vorgenommen, um für ein neues Hoch zu sorgen. Ich wollte morgens Walken oder Schwimmen, arbeiten und nette Menschen treffen, um den Dopamin-Haushalt in Schwung zu bringen. Und dann? Dann wurde das Kind krank. Bedeutet: Zuhause "gefangen" zu sein und den Tag rumbringen. Für die meisten Menschen blöd, für ADHSler der blanke Horror. Statt nun mein theoretisches Wissen um hilfreiche Strategien einzusetzen, habe ich Doom-Scrolling betrieben, zu wenig oder falsche Sachen gegessen und mich bemitleidet. Weil mein rosa Elefant mir ständig Gedanken wie "OMG, das wird alles furchtbar!", "Der Tag wird Hölle!" oder "Jetzt ist ja eh schon alles egal" ins Ohr getrötet hat. Das Gedankenkarussell war voll auf Negativ-Modus gestellt. Hat es geholfen? Natürlich nicht. Vor allem, weil der einzig Arme in der Sache der kranke Zwerg war. Als ich dann aber psychisch ganz unten war, fiel mir ein altes Lieblingsbuch in die Hände. Und dieses kleine Taschenbuch aus dem Jahr 2016 hat es letztendlich geschafft, mir Auftrieb zu geben - und mein Denken neu zu ordnen.
Welches das ist? Das verrate ich in der nächsten Folge. Jetzt muss ich erst ein bisschen weiterlesen...
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