Rosa Elefanten - Folge 7
- juliaheyne5
- 3 days ago
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Hinweis: Ich bin keine ADHS-Expertin, alles, was ich darüber schreibe, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.
Ups, schon wieder etwas Zeit vergangen seit meinem letzten Update. Dementsprechend schwer ist es gerade, den Anschluss zu finden. Was wollte ich gleich nochmal erzählen? Ach ja, das Buch, das mir neulich an einem schlechten Tag geholfen hat... Dabei handelt es sich um "Am Arsch vorbei geht auch ein Weg" von der wunderbaren Alexandra Reinwarth (unbezahlte Werbung). Unabhängig davon, dass sie so lustig schreibt, dass ich zuverlässig grinsen muss, auch wenn mir gerade nach heulen zumute ist, bringt es eine wichtige Erkenntnis auf den Punkt: Mir dürfen viel mehr Sachen scheißegal sein. Damit meine ich jetzt nicht die in meiner Welt eh unwichtigen Dinge wie Gebrauchsanweisungen, technische Zusammenhänge oder die Welt des Trash-TVs. Nein, es geht eher um Sachen, über die ich mir ständig meinen Kopf zerbreche, auch wenn ich davon nur graue Haare und miese Laune bekomme.
Das fängt beim Blick in meinen Kalender an. Nächste Woche stehen drei wichtige Termine drin? Kopfkino an! "Da wird bestimmt das Kind krank und ich muss alles absagen!", "Da werde ich sicher krank sein" oder "Was, wenn ich den Termin aus völliger Geistesumnachtung vergesse?" sind nur drei Beispiele meiner Gedanken, die mir mein rosa Elefant zuverlässig ins Gehirn trötet. Jetzt bitte nicht falsch verstehen, natürlich sind es nicht die Termin an sich, die mir am Arsch vorbeigehen sollten, sondern meine völlig unnötigen Katastrophengedanken. Mir ist bewusst, dass es absolut sinnlos ist, sich Sorgen über mögliche Szenarien zu machen, die höchstwahrscheinlich nicht eintreten werden. Oder wie Marc Aurel es ausgedrückt hat: "Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab". Sprich, wenn ich ständig damit beschäftigt bin, mir Sorgen über Eventualitäten zu machen, dann mache ich mir zwei Mal Sorgen. Einmal davor und einmal, wenn sie vielleicht doch eintreffen sollten. Kein Wunder, dass meine Laune aktuell in irgendwelchen Kellerverliesen rumdümpelt! Also sage ich mir ab sofort: Katastrophengedanken am Arsch vorbei!
Ebenfalls an den Allerwertesten möchte ich künftig meine überbordende Harmoniesucht schicken. Natürlich ist es generell nichts Schlechtes, wenn man eher Love, Peace und Happiness möchte anstatt wegen jedem Scheiß ein Kriegsgebiet zu eröffnen. Nimmt dieser Wunsch aber ungesunde Maße an, dann wird es richtig nervig. Für mich. Beispiel: Jemand aus der Familie fragt mich, ob ich an dem Tag auf den Hund, auf ein Kind oder den letzten überlebenden Fisch aufpassen kann. Was ich generell gerne mache, nur dummerweise passt es an besagtem Tag gar nicht. Statt das freundlich aber bestimmt zu äußern, kommt von mir wie aus der Pistole geschossen: "Klar, kriege ich schon irgendwie hin!". Was ich auch tue, allerdings unter stressigstens Bedingungen. Und das alles nur, weil der Elefant flüstert: Wenn du nein sagst, dann ist Person X sauer/traurig/enttäuscht. Und die Harmonie ist futsch. Aber, lieber Elefant, es ist nun mal so: Es ist schön, jemandem einen Gefallen zu tun, wenn es zeitlich passt. Und wenn nicht? Dann ist ein ehrliches Nein die bessere Alternative. Meistens ist dann überraschenderweise auch keiner sauer/traurig/enttäuscht. Und wenn doch? Dann ist das leider sein Problem. Also: Harmoniesucht am Arsch vorbei!
Auch ein gutes "Am-Arsch-Vorbei"-Thema sind Freunde. Stopp, bevor es jetzt zu einem empörten Aufschrei kommt, NATÜRLICH gehen mir meine Freunde nicht am Arsch vorbei. Wer das aber durchaus tun sollte, sind die "Freunde", die sich nur dann melden, wenn sie etwas brauchen. Das können völlig unterschiedliche Dinge sein. Mal ist es eine Reisebegleitung, weil sonst vielleicht niemand Zeit hat. Oder ein Tipp für einen guten Arzt. Oder - und das ist oft der Fall - einfach nur die Möglichkeit, eine Stunde am Telefon Dampf abzulassen. Und gegen all die Dinge ist an sich auch nichts zu sagen. Es sei denn: Es sind die einzigen Anrufe, die von besagten Personen kommen. Die sich sonst einfach nie melden und noch seltener mal nachfragen, wie es dem Anderen so geht. Freundschaft sollte nie ein Aufrechnen sein. Mal ist der eine der "Geber", mal der andere. Wenn das Ganze aber eine reine Minus-Rechnung ist und viel mehr Energie zieht, als es bringt, dann ist es Zeit zu sagen: Freund XY am Arsch vorbei!
Also, danke, liebe Alexandra Reinwarth für das Konzept. Ich probiere mich fleißig aus - und verspreche, dafür zu sorgen, dass ich vor lauter "Am Arsch vorbei"-Jubel nicht selbst zum Arsch werde...
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