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Rosa Elefanten - Folge 8

  • juliaheyne5
  • May 8
  • 3 min read
Gekommen, um zu bleiben ...
Gekommen, um zu bleiben ...

Hinweis: Ich bin keine ADHS-Expertin, alles, was ich darüber schreibe, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.


Über ein Jahr ist es jetzt her, dass mein psychischer Zustand einer rasanten, teilweise furchteinflößenden und definitiv unberechenbaren Achterbahnfahrt gleicht. Unabhängig davon, dass sich meine Liebe zu Achterbahnen in Grenzen hält, ist mein Exemplar auch noch mit vielen steilen Talfahrten und eher geringen Aufwärtsschienen ausgestattet. Ok, das macht aus Sicht eines Achterbahn-Ingenieurs wahrscheinlichen wenig Sinn, aber anders kann ich mein Gefühlsleben nicht beschreiben.

Es ist nun mal so, dass mein psychischer Zustand oft und rasant nach unten geht, während die Momente der vorsichtigen Zuversicht eher sparsam vertreten sind.


Und soll ich euch was sagen? Mir reicht es! Ich habe die Schnauze voll von diesen Talfahrten, die eher für ein mulmiges Gefühl als für aufregendes Bauchkribbeln sorgen. Vor allem, wenn ich bedenke, was ich in all diesen Monaten investiert habe, um die blöde Achterbahn endlich zu stoppen... Hier eine kleine Kosten-Nutzen-Aufstellung: Ich habe unendlich viel gelesen über die Themen, die mir mein eigentlich wunderbares Leben vermeintlich (!) so versauen. Dazu gehören in erster Linie Abhandlungen über Depressionen, ADHS, Achtsamkeit, Resilienz, usw. Mein Insta-Feed gleicht mittlerweile einer virtuellen Psychiatrie und auf meinem Nachttisch stapeln sich psychologische Ratgeber. Des Weiteren habe ich sehr viel Geld für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben, die dafür sorgen sollen, dass sich mein psychischer Zustand - und somit mein Wohlbefinden - stabilisiert. Ich mache Therapien und investiere in ärztliche Zusatzleistungen, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Wenn es mit der Laune auf der Achterbahn gerade leicht bergauf geht, kaufe ich mir Dinge, die dieses gerade positive Gefühl verstärken sollen. Das kann ein teuer Kaffee to go sein, ebenso wie ein neues Kleid oder das hundertste Spielzeug für den Zwerg. Wenn es bergab geht, dann kaufe ich gedankenlos Lebensmittel, die letztendlich doch schlecht werden, weil ich keine Lust auf Kochen habe. Und das sind nur einige Beispiele für meine Investitionen in Sachen "endlich wieder happy sein".


Soweit die Kosten, nur wie sieht es mit dem Nutzen aus? Das lässt sich nicht pauschal sagen, daher drösle ich es ein wenig auf. Natürlich ist es sinnvoll, sich mit den eigenen "psychischen Baustellen" zu befassen. Gerade, wenn man wie ich neu im "ADHS-Game" ist, schadet es nicht, möglichst viel darüber zu wissen. Ebenso wichtig sind meiner Ansicht nach die Therapiestunden, die einem sehr helfen können, wenn sich alles schwer und grau anfühlt. Auch lässt sich nicht absprechen, dass die Einnahme bestimmer Nahrungsergänzungsmittel individuell für eine Verbesserung sorgen können. Jetzt kommt das große ABER: Alles ist legitim, so lange es im Rahmen bleibt. Denn ich habe festgestellt, dass das Lesen über psychische Probleme irgendwann dafür sorgen kann, dass man in ihnen festklebt wie die Fliege in einem dieser ekligen Klebestreifen. Ok, ich gebe zu, da bin ich nicht selbst draufgekommen, sondern durch ein bestimmtes Buch (haha, ich erkenne die Ironie!) und zwar "Leben geht nur vorwärts" von Dr. Gitta Jacob. Sie schreibt: "Es ist gut und wichtig, dass Menschen ihre Verhaltensmuster, Verletzungen und schwierigen Gefühle verstehen. Auf Dauer kann die Selbstbeschau jedoch daran hindern, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen." Und ich erkenne mich da wieder. Ich kreise so sehr um meine eigene Psyche, meine aktuellen Probleme, dass ich total vergesse, ins Handeln zu kommen, um wieder Spaß im Leben zu haben.


Ebenso suche ich wie ein Trüffelschwein nach (meist teuren) Nahrungsergänzungsmitteln, die bitte möglichst bald nervige Symptome wie Dauermüdigkeit, schlechte Laune, innere Unruhe und Schlafstörungen beheben sollen - und vergesse dann, sie zu nehmen, oder - noch besser - einen besseren und gesünderen Lifestyle zu leben. Was also aktuell übrig bleibt, bei meiner Rechnung ist, dass all diese Ansätze an sich gut sind, ich es aber gnadenlos damit übertreibe. Und definitiv zu viel Geld dafür ausgebe. Soweit zu dieser Erkenntnis. Aber da es mit "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" ja meist nicht getan ist, brauche ich nun einen Weg raus aus dem "Psychologisieren" und rein ins "leben".


Wie der aussieht? Das erzähle ich in der nächsten Folge. Sofern er mir bis dahin eingefallen ist...




 
 
 

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