Rosa Elefanten - Folge 4
- juliaheyne5
- Jan 31
- 3 min read

Hinweis: Ich bin keine ADHS-Expertin, alles, was ich darüber schreibe, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.
In den letzten Wochen war meine Psyche auf dem Tiefpunkt. Ich denke, da haben einige Umstände mit reingespielt. Die Tatsache, dass wir mitten im deutschen Winter stecken, ist definitv ein natürlicher Feind meines Gemüts. Ich bin ein Sommermensch (zur Not auch ein Frühlings-oder Herbstmensch) und kann den vermeintlichen Vorteilen der kalten Zeit nichts abgewinnen. Schnee? Ist ja mal ganz schön, um mit dem Kleinen einen Schneemann zu bauen oder rodeln zu gehen. Aber zwei, drei Wochen reichen dann auch. Sich gemütlich zuhause einkuscheln? Ja gerne, aber doch nicht über Monate! Allein der Lichtmangel macht mir zu schaffen, da kann ich noch so viel Vitamin D nehmen oder mich unter die Tageslichtlampe setzen. On top kamen zuletzt noch die Anlauf-Schwierigkeiten mit meiner ADHS-Medikation, ein ständig schniefender Zweijähriger, der gerade seinen eigenen Willen entdeckt und das ständige Justieren an meinen Alltags-Routinen. Hello darkness, my old friend...
Aber genug gejammert, denn - Trommelwirbel! - seit einigen Tagen geht es mir besser. Da ich es kontraproduktiv finde, immer nur das Haar in der Suppe zu suchen, habe ich beschlossen, mir mal die Dinge anzusehen, die für die stabilere Psyche sorgen. "Der Mensch ist das Produkt seiner Gedanken. Er ist und wird, was er denkt", hat schließlich Gandhi schon gesagt. Geholfen haben mir auf jeden Fall die Gespräche mit meiner ADHS-Therapeutin. Klar, mit jemandem über seine Probleme reden, ist immer eine gute Idee. In meinem Fall hilft es aber nicht, mit jemandem zu sprechen, der sich nicht in ein ADHS-Gehirn "reindenken" kann. Mit meinem Freund enden Gespräche über meine Krise nicht selten in Tränen, Streit - und dem beidseitigen Gefühl, einfach nicht verstanden zu werden. Und das ist auch ok, denn dafür gibt es ja die Menschen, die gehirntechnisch auf demselben Planeten unterwegs sind. Aus den Therapiesitzungen habe ich einige gute Ideen gesammelt, um aus der Krise in ein glücklicheres Mindset zu kommen.
So habe ich beispielsweise mehr auf meine Grenzen geachtet. In den letzten Monaten war es oft so, dass ich (auch aufgrund der 'falschen' Medikation) nachmittags in ein echtes Energietief geschlittert bin. Sprich, mein Akku hat dunkelrot angezeigt, bis ich mich zurückgezogen habe. Einfach weil ich meinem Freund nicht die Kinderbespaßung aufs Auge drücken wollte (obwohl er das wirklich immer und auch gerne macht). Stattdessen bin ich geblieben und war entweder wie paralysiert, habe geheult oder war richtig zickig. Jetzt achte ich besser auf meinen Akku und nehme mich für eine Weile raus, wenn er hellorange ist. Und es funktioniert. Eine kurze Me-Time und ich bin wieder besser drauf.
Ich mache generell wieder mehr Dinge, die mir Spaß machen und Kraft geben. Das kann ein langes Bad mit Buch sein, ein gutes Essen oder ein Treffen mit Freunden. Auch die Sache mit den Routinen wird langsam besser. Mir tut es richtig gut, vormittags viel zu arbeiten und positiven Stress zu haben. Dieses kreative Auspowern pusht meinen Dopamin-Haushalt und gibt mir viel Energie und gute Laune für die Nachmittage mit dem Zwerg. Auch die Medikation habe ich mittlerweile anpassen lassen und bin ziemlich optimistisch, dass das ein Gamechanger sein wird. Auf die skeptische Frage "Musst du mit ADHS wirklich Medikamente nehmen?" habe ich die Antwort: Natürlich muss das niemand, aber manchen helfen sie einfach gegen die Symptome. Meine Therapeutin hat dafür einen guten Vergleich. Sie sagt: "Man kann zu einem Kurzsichtigen auch sagen, er soll auf die Brille verzichten. Aber macht es wirklich Sinn auf etwas zu verzichten, dass dein Leben um vieles einfacher macht?".
Jetzt genieße ich erst mal die Tendenz raus aus dem Tief und rein ins Leben mit mehr Licht. Auch wenn dafür momentan noch die Tageslichtlampe nötig ist...
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