Rosa Elefanten - Folge 3
- juliaheyne5
- Jan 17
- 2 min read

Hinweis: Ich bin keine ADHS-Expertin, alles, was ich darüber schreibe, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.
Aktuell auf meiner Hitliste der treuesten ADHS-Syptome: die Sache mit der Konsequenz. Wie viele andere ADHSler habe ich ständig tolle Ideen, was ich gerne machen möchte, um meinem Alltag ein Upgrade zu verleihen. Mindestens zweimal die Woche schwimmen gehen? Klar mach ich, das ist gut für meinen lädierten Rücken! Regelmäßig gesund kochen? Ist ja wohl das Mindeste, schließlich brauche ich in meinem Alter jedes Vitamin, das ich kriegen kann. Den Schreibtisch aufräumen? Äußere Ordnung bringt die Innere! Die Begeisterung für gesunde Routinen ist riesig, der Wille ist da - bis er sich dann heimlich, still und leise wieder verkrümelt. Denn Konsequenz ist absolut nicht meine Stärke.
Schwimmen gehe ich ein paar Mal - natürlich im absoluten "Franzi-van-Almsick"-Look mit Badekappe und neuer Schwimmbrille. Dann sind plötzlich Schulferien und das Hallenbad verwandelt sich in ein lärmendes Inferno. Der Plan, einfach nach den Ferien wieder ins kühle Nass zu springen, verpufft jedes Mal. Der Schreibtisch wird einmal gründlich aufgeräumt - bis sich bereits nach wenigen Stunden wieder Kaffeetassen, Unterlagen und andere Dinge ein fröhliches Stelldichein geben. Und das mit dem Kochen? Was soll ich sagen, zumindest habe ich auf Instagram tausende gesunde Rezepte abgespeichert und im Ofen landet dann doch die TK-Pizza. Viele Jahre hat mich meine Inkonsequenz vor die große Frage gestellt: Verdammt nochmal, warum kriege ich das einfach nicht (dauerhaft) hin? Das kann doch nicht so schwer sein! Doch, ist es. Das weiß ich seit meiner ADHS-Diagnose. Die gestörte Dopamin-Regulation meines Gehirns führt zu Motivationsproblemen, lässt mich oft prokrastinieren und sorgt dafür, dass ich schnell das Handtuch werfe, wenn mir die Aufgabe keinen Spaß macht (und somit nicht für einen Dopamin-Kick sorgt). Ich bin herrlich konsequent inkosequent und muss wirklich kämpfen, gewisse Routinen aufrecht zu erhalten. Denn diese sind ironischerweise v.a. für Menschen mit ADHS wichtig, um gut durchs Leben zu kommen.
Also geht es jetzt darum, dass mein ADHS-Gehirn Else und ich Teamwork betreiben, um zumindest ein paar dieser Routinen fest im Alltag zu verankern. Dafür gibt es einige Hacks - und lustigerweise nutze ich einige unbewusst schon lange. Zugegeben nicht immer erfolgreich, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ich schreibe wirklich jeden kleinen Schritt, jedes kleine To-Do auf. Früher nur handschriftlich, heute zusätzlich noch in die Notizen-Funktion des Smartphones. Da stehen dann Sachen wie "Frühstücken", "Medikamente nehmen" oder auch "Morgens zum Kaffee Musik aufdrehen und tanzen". Das klappt ganz gut, denn die Sachen von der Liste zu streichen, sorgt definitiv für einen Dopamin-Schub bei mir. Ein weiterer Hack, der immer besser funktioniert, ist die "Zwei-Minuten-Regel", sprich, alles, was unter zwei Minuten erledigt werden kann, wird SOFORT erledigt. Was ich aktuell ausprobiere, ist der Trick, alle für mich unangenehmen/spaßbefreiten To-Dos mit etwas Positivem zu verknüpfen. Das kann gute Musik beim Aufräumen, Schokolade beim Bürokram oder eine Runde Whirpool nach dem Schwimmen sein. Bin gespannt, ob mir das künftig in Sachen "Konsequenz" weiterhilft.
Ich werde berichten, aber jetzt muss ich erstmal ein gesundes Frühstück zaubern. Um dann vielleicht doch noch ein bisschen Schoki zu essen. Oder meinen Schreibtisch aufzuräumen...
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