Rosa Elefanten - Folge 2
- juliaheyne5
- Jan 16
- 3 min read
Updated: Jan 17

Hinweis: Ich bin keine ADHS-Expertin, alles, was ich darüber schreibe, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.
Ok, Freunde, sind wir ehrlich, es wäre jetzt total leicht, all meine teilweise anstrengenden Eigenschaften auf die ADHS-Diagnose zu schieben. Überraschung: So leicht ist es nicht. Um ehrlich zu sein, bin ich gerade dabei, dieses Chaos zu entwirren, um der Frage auf den Grund zu gehen: Was bin ich und was ist mein ADHS-Gehirn, das ich Else nenne? Natürlich ist es sehr verlockend, sämtliche Probleme Else in die Schuhe zu schieben. Ich habe es mal wieder nicht geschafft, irgendwas zu einem befriedigenden Ende zu bringen? Hallo, ich habe ADHS! Mein Freund versteht mich mal wieder überhaupt nicht und ich reagiere impulsiv/genervt? Klar, das ist die Neurodivergenz. Ich finde mein Handy zum gefühlt 60. Mal am Tag nicht und mache mein Umfeld wahnsinnig? Haben halt alle mit ADHS.
Ne, so einfach isses nicht. Manches wird durch das anders tickende Gehirn verursacht, manches ist einfach Charakter. Oder Erziehung. Oder beides. Und um endlich ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich beschlossen, meine persönlichen Baustellen mal einzeln zu beleuchten. Weil eines ist wirklich ein glasklares ADHS-Syndrom, nämlich dieses ständige Gedankenkarussell, das sich so schnell dreht, dass man nur noch "Spucktüte!" rufen kann. Also schön ein Problem nach dem anderen, bitte. Bitte einzeln anstellen, nicht vordrängeln und immer mit der Ruhe (haha). Allein eine Art Hitlist der schwerwiegendsten Herausforderungen zu erstellen, verlangt mir einiges ab. Aber hey, ich versuche es. Dafür muss ich ganz kurz ausholen. Ich habe meine ADHS-Diagnose mit 43 Jahren bekommen und das ist als Frau leider gar nicht so selten. Kurz zusammengefasst liegt es daran, dass die Symptome bei Mädchen und Jungs und später Frauen und Männern meistens total unterschiedlich sind.
Während man lange Zeit bei ADHS nur Jungs im Blick hatte, bei denen meist die Hyperaktivität nach außen sichtbar ist (Stichwort Zappelphilipp), richtet diese sich bei den Mädchen nach innen. Sprich, Mädchen werden so erzogen, sich anzupassen und nicht negativ aufzufallen. Im Inneren geht es aber ab, kann ich euch sagen. Ein ständiger innerer Kampf der eigenen Gefühle gepaart mit den Ermahnungen, bitte doch leiser zu sein. Nicht so emotional, nicht so "hysterisch". Und irgendwie geht das gut, man kommt einigermaßen durchs Leben. Durch Schule, Studium, Job. Weil die meisten undiagnostizierten ADHS-Frauen Strategien entwickeln, mit denen sie das Leben irgendwie wuppen können. Dummerweise ist es oft so, dass sich dadurch in 80 Prozent der Fälle mindestens eine psychische Zweiterkrankung entwickelt. Bei mir waren es depressive Phasen, die ich immer wieder hatte. Hey, kein Problem, dann hat Frau halt Depressionen, geht zur Therapie und nimmt Anti-Depressiva. Aber die eigentliche Ursache für das Ganze liegt im Verborgenen. Bis dann bei vielen Frauen etwas passiert, das die Strategien schneller zum Einsturz bringt, als man das Wort Strategie überhaupt aussprechen kann.
Bei mir war es die Geburt meines Sohnes 2023. Auf einmal war da ein kleiner Mensch in meinem Leben, der eben dieses absolut bestimmt. 24/7 - für viele, viele Jahre. Das ist wunderbar - eine krasse Umstellung. Natürlich nicht nur für neurodivergente Eltern, sondern höchstwahrscheinlich für die meisten. Mich hat es nach ca. neun Monaten aber völlig aus der Bahn geworfen. Depression deluxe - die mir aber letztlich die ADHS-Diagnose gebracht hat. Und mit ihr nicht nur die Chance, mich selbst besser zu verstehen, sondern durch Therapie und Medikamente helfen zu lassen, meinen Alltag "ADHS-artgerecht" zu gestalten. Das wiederum hilft auch den Menschen in meinem Umfeld. Mein Sohn bekommt eine stabilere Mama, mein Freund weiß zumindest, warum ich manchmal hochgehe wie ein Schnellkochtopf.
Aber eines ist klar: Die Reise geht erst los, es ist immernoch ziemlich turbulent in meiner kleinen Elefantenwelt....
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